Tech-Tauchen 2019 in Gulen, Norwegen

DB in Gulen

Gulen – Im Sommer 2018 reifte der Plan zu einem Wracktrip ins Wracktaucher- Eldorado Norwegens – Gulen – ca. Std. mit dem Auto nördlich von Bergen.

Selbst eine Gruppentour organisieren? Einer Gruppe Unbekannter anschließen? Dann sprach mich mein Buddy an, eine Wracktour sei geplant mit einer Gruppe, die im Vorjahr in Scapa Flow (Orkneys) war. Ob ich nicht mitkommen wolle, es ginge nach Gulen, hätte ich bestimmt noch nichts von gehört. Manchmal hat man Glück. Natürlich sagte ich zu und dann ging das Weihnachtsgeld drauf für Fährbuchung, die Woche Unterkunft in der Basis, das Tauchpaket inkl. Boot usw.! Der Keller füllte sich mit der Zeit mit gefüllten D12ern, einem D20 und 8-9 Stages mit Bottomgas, Dekogas und reinem O2. Anke kriegte schon wieder diesen komischen Ausdruck im Gesicht.

Am 27.04.19 ging es dann los mit einer rollenden Gasbombe, Klamotten und meinem Anteil an der Verpflegung für eine Woche mit 9 Tauchern, 8 Männern und einer Frau. Nach meiner wirtschaftlichsten Fahrt ever mit meinem Wagen trotz max. Zuladung (4,6l/100km) aufgrund der Beschränkung in Dänemark erreiche ich um 18 Uhr abends mein erstes Zwischenziel: Hirtshals, im hohen Norden Dänemarks. Um 20 Uhr legte die Fähre, die uns nach Bergen bringen sollte, pünktlich ab. Kabine für eine Nacht beziehen mit 2 anderen der Gruppe und dann trafen sich alle zum Beschnuppern und zum Buffet im Bordrestaurant. Schnell stelle ich fest: alles richtig gemacht, das hier ist eine super Truppe, mit der man durchaus nochmal losziehen könnte. Irgendwann geht es dann in die Koje und nach einem ausgiebigen Frühstück legt die Fähre um ca. 12 Uhr mittags am nächsten Tag in Bergen an. Nach weiteren 2,5 Std. Autofahrt ist das Ziel erreicht: Gulen, im größten Fjord Norwegens gelegen, dem Sognefjord. Zimmer in der Basis beziehen, Auto ausladen, Küche mit Verpflegung füllen und dann ab ans Hausriff zum ersten „Checkdive“. Passt die Bleimenge, läuft der Scooter, funzt die Lampe, kann ich noch im Meer tauchen oder doch lieber zukünftig nur noch Training an der Plattform in Hemmoor? Schon etwas her die letzte Wracktour aber Gott sei Dank noch nicht verlernt .

Tag 1: wir grooven uns ein mit einem TG am Doppelwrack „Ferndale + Parat“, kurz zur Historie: Ferndale (ein 116m Frachter) läuft nachts auf einen Felsen und wird daher am nächsten Morgen sofort von englischen Fliegern entdeckt, die in den letzten Kriegstagen in Norwegen die Lufthoheit haben. Sie greifen an und werfen Bomben. Ferndale wird stark beschädigt. Die Parat eilt zur Hilfe mit einem Reparatur-Team und sogar Tauchern an Bord und wird ebenfalls angegriffen. Nach einigen Stunden sinkt zunächst Parat und kurz darauf auch Ferndale, diese trifft nur 2m entfernt von der bereits gesunkenen Parat auf den Grund. Wir erkunden beide Wracks, Parat liegt auf Max. 60 m, darüber türmt sich das Heck der Ferndale auf, ein imposanter Anblick, der Bug endet bei 10m. An der dortigen Boje beenden wir unsere Deko und haben so die ganze Zeit viel zu sehen an beiden Wracks. Besser als eine freie Deko irgendwo in der Wassersäule!

Der 2. TG des Tages geht an die Bandak, diese liegt deutlich flacher auf max. 29 m. Die Bandak ist zweimal gesunken, nach dem ersten Mal wurde sie gehoben und sogar verlängert. Der zweite Untergang ist dann aber endgültig. Ein schönes kleines Wrack (ca. 38m lang) um das Restgas des ersten TGs zu verschnüffeln. Nach einem kurzen TG von ca. 60 Min geht es Richtung Basis, wo wir um 16 Uhr wieder anlegen. Einige Gase, welche wir uns selbst mischen dank der aus Deutschland mitgebrachten 50L Industrieflaschen Helium und O2, sowie mitgebrachtem Überström-Equipment, müssen noch vorbereitet werden für den nächsten Tag. Da wir fast alle Gasblender in unserer Gruppe sind, hat die Basis nichts dagegen, im Gegenteil! Der Kompressor-Wart sitzt entspannt in der Sonne, lässt sich von uns eine Gerstenkaltschale servieren (funktioniert in Norwegern immer) und schaut zu was wir mit seiner Anlage machen. Anscheinend machen wir nichts falsch, es kommt zumindest kein Gemecker. Immer zwei von uns kümmern sich pro Abend um das Essen für alle, heute steht Grillen wegen des guten Wetters auf dem Plan, und nach dem Essen mit 2 TGs auf der Uhr und der langen Anreise fallen alle zeitig ins Koma.

Tag 2: Aufgrund des guten Wetters nehmen wir 2 Fahrtstunden mit dem Boot in Kauf und steuern die Position der Welheim an, ein 145m Frachter auf Tiefen zwischen 15 – 70m. Nach 35 Min am Wrack mit einer Max. Tiefe von 55m und einer durchschnittlichen Tiefe von über 40m am Ende der Grundzeit, folgt die Dekozeit von ca. 30min zwischen 21 und 6m mit EAN50. Es strömt leicht, die Leine der Wrackboje flattert etwas aber mit leichtem Frogkick kann man sich locker an der Leine halten. Obwohl mein Inflator beim Pre-Dive-Check unkontrolliert mein Wing befüllt hat, ein entspannter TG. Das Wing kann man ja auch mit dem Mund befüllen, wer braucht schon einen noch dazu kaputten Inflator Wir schauen uns ausgiebig die riesige Super-Struktur der Brücke an, welche das Wrack dominiert, dazu riesige Ladekräne, Winden, man findet sogar noch Sicherheitsglas an einigen Stellen. Das Wrack liegt 85grad gekippt auf seiner Backbordseite. Die Welheim war zu Ihrer Zeit ein sehr modern ausgestattetes Schiff, gebaut übrigens in …. Hamburg.

Da das Wrack so weit entfernt liegt und der TG tief und demzufolge die Deko recht lang war, kann heute kein weiterer TG gemacht werden – also zurück zur Basis. Heute habe ich keine Lust noch zu mischen, also durchforste ich meinen Vorrat an mitgebrachten Flaschen und völlig überraschend ist was tauchbares dabei für den morgigen Tag Per WhatsApp meckert Anke, dass der Keller leer sei und sie nichts zum Tauchen findet für das Antauchen des Vereins am 1. Mai., dabei steht ihr D7 und eine M12 gefüllt noch rum. Und ich sag immer wir haben zu wenig Equipment, warum glaubt mir keiner? Ich behebe noch den Defekt am Inflator in der Basis-Werkstatt (defekter O-Ring) und nach einem bereits vorbereiteten Bauern-Eintopf und ein zwei Bierchen geht es ins Bett.

Tag 3: Endlich, heute steht die Frankenwald für 2 TGs auf dem Programm, das schönste Wrack Norwegens gem. Taucher-Wahl 2018, noch dazu sind beide TGs als Scooter-TGs geplant. Ein ambitionierter Unterwasser-Photograph (Robert) mit einer state-of-the-art Kamera-Ausrüstung aus unserer Gruppe braucht Scooter-Taucher als Models vor der beeindruckenden Frankenwald als Hintergrund, soweit das Programm für diese Tauchgänge. In einem Wort: Rock‘n Roll!!!

Die Scooter sind eine gute Idee, das Wrack ist lang mit 136m Länge und liegt zwischen 25 – 44 m Tiefe. Ideal zum Scootern über die gesamte Länge! Ziemlich genau Mitschiffs an Backbord zeigt sich ein großer vertikaler Riss, verursacht durch eine Stauchung beim Aufschlag auf dem Meeresgrund. Wieder riesige Frachträume, die Brücke ist zwischenzeitlich kollabiert und liegt als dreieckig in sich zusammengesunkene Struktur da. Das Vorschiff ist ebenfalls sehr fragil, die Wände sind an einigen Stellen vielleicht noch 3mm stark, ein Mal mit der Faust dagegen geboxt und ich bin durch! Hier rein zu tauchen könnte keine gute Idee sein! Zwei riesige Masten stehen noch fast unbeschädigt, wobei sich der eine schon etwas neigt, und ragen bis ca. 20m unter die Wasseroberfläche auf. Das Wrack liegt aufrecht und wie geparkt auf dem Grund. Überall Nacktschnecken, Seesterne, Seehasen, Dorsch, Pollack, Leng, Hering usw.! Schön kalt ist es auch, Dank mitgebrachter Heizweste aber kein Problem. Nach 90 min Oberflächenpause nehmen wir unsere 30m-Stage und schauen uns beim zweiten TG die flacheren Aufbauten an. Tiefenlimit etwas über 30m, aber das reicht auch. Als meine Stage leer ist, sind wir auf 21m und ich verschnüffel den Rest des Dekogases vom ersten TG. Nach 55 min ist dann aber auch der 2. TG an der Frankenwald zu Ende, aber wir haben unsere Gesamttauchzeit am Wrack optimal genutzt. Der Photograph hat spektakuläre Bilder im Kasten und würde im Kreis grinsen, wenn die Ohren nicht wären. Alle sind wieder an Bord und schnattern, man merkt, dass das Wrack alle beeindruckt hat. Der Wahl zum schönsten Wrack Norwegens kann ich mich vermutlich anschließen, obwohl Norwegen sicher noch einige Wracks zu bieten hat. Abends in der Basis sind mein Buddy Gerald und ich für das Essen zuständig, wir machen Pizza im Schichtbetrieb, es schmeckt super, vor allem der von Gerald selbstgemachte Teig! Erste Photos und Videos werden begutachtet. Eins der Bilder kommt auf jeden Fall ins Wohnzimmer, da muss Anke durch.

Tag 4: Ein erster Blick morgens aus dem Fenster bestätigt, was ich nachts bereits gehört habe: es hat stark aufgefrischt, wir haben Windstärke 5-6. Selbst in der geschützten Bucht vor der Basis reißt der Wind weißen Schaum von den Wellenkämmen: kein gutes Zeichen! Wir versuchen ein geschützt liegendes Wrack zu erreichen aber der Captain bricht den Versuch über den offenen Fjord zu kommen ab! Es ist zu windig, wir verkriechen uns in Richtung Position der Ferndale + Parat. Die kennen wir zwar bereits, aber dort kann man wenigstens noch tauchen bei diesen Bedingungen. 30m und 50 min reichen uns heute, man merkt die Kälte der vorherigen Tage und bereits beim Anziehen auf dem Tauchdeck verlieren wir viel Wärme durch den starken Wind und die fehlende Sonnenstrahlung. Als wir wieder an Bord sind, nach einem kleinen Kampf mit den Wellen, hören wir dann das sogar der zweite TG ausfällt. Der Wind ist noch stärker geworden, während wir am Wrack waren und der Captain empfiehlt dringend die Basis anzusteuern. Auch gut, es ist sein Boot, 1,2 Mio. € hat er hingelegt für den Eimer, allein die Maschine kostet 200Tsd. Euro. Ich falle fast hinten über als ich mich mit Orjan darüber unterhalte. Dafür ist es aber auch eine super Tauch-Yacht mit 1.050 PS! Auf Orjans Basis wird im Juli dieses Jahrs auch eine der diesjährigen TL-Prüfungen mit 5-6 Prüfern und 23 Anwärtern stattfinden! Teilweise sind sogar die Familien mit dabei. Orjans Basis ist komplett voll und er muss sogar Wohnwagen organisieren, um alle unterbringen zu können. Das Interesse an Norwegen ist anscheinend groß, auf jeden Fall mal etwas anderes als die sonst eher südlichen Gefilde wie z.B. Malta oder die Türkei, in die es die Prüfer und Ihre Anwärter sonst zieht. Das Tauchrevier hat auf jeden Fall den nötigen Anspruch und ist durch die Flora, die Fauna und natürlich die Wracks ein echtes Highlight! Heute ist es mit Tauchen Essig, man kann nicht alles haben, also den Hebel auf den Tisch und ab nach Hause. Safety First! In der Basis erwartet uns Johanna, Crew-Mitglied und eine Meisterin am Waffeleisen.  Warme Waffeln mit Kirschen, Kaffee, genau das Richtige jetzt. Wir haben Zeit, mischen etwas Gas für den nächsten Tag und am Abend gibt es ein zünftiges selbstgemachtes Chilli! Ich würde sagen wir haben das Beste aus dem Tag gemacht!

Tag 5: Der letzte Tauchtag, der Wind hat nachgelassen, dafür schneit es morgens beim Frühstück. Die Hälfte der Gruppe winkt ab, Sie wollen in der Basis bleiben und in Ruhe packen. Die andere Hälfte macht sich fertig und fährt raus zur Tyrifjord, einem Versorger der deutschen Streitkräfte im 2. Weltkrieg, der nach schwerem Bombentreffer durch Flieger den Konvoi aus drei Schiffen verlassen musste und in einen Hafen geschleppt wurde. Einiges der Ladung konnte gerettet werden, dann versank das Schiff im Hafenbecken. Mit 101m Länge kein kleines Schiff, es liegt aufrecht auf 25 – 37m Tiefe. Wenn man das riesige Loch sieht, welches die Bombe gerissen hat, fragt man sich wie das Schiff es noch in den Hafen geschafft hat! Reste der Ladung sind zu finden, darunter ein Sonder-KFZ 7 der Wehrmacht, halb Räder, halb Kettenantrieb. Das Highlight findet man am Heck, ein wunderschön bewachsenes Steuerrad, sämtliche Speichen sind noch vorhanden, das sieht man selten! Reste des Maschinentelegrafen liegen in der Nähe, auf dem flachen Achterdeck liegen Schollen und andere Plattfische. Wir machen ein Gruppenbild mit 4 Tauchern, um das Steuerrad gut auszuleuchten. Nach 30 Minuten Grundzeit am Wrack beginnen wir die Deko welche nur 20 Min dauert, da wir nicht so tief waren. Ab 21m Wechsel wie immer auf Nitrox 50. Entspannt tauchen wir auf und lassen uns vom Boot einsammeln. Sehr komfortabel übrigens der Fahrstuhl am Heck, vor allem wenn man mit Stage, Scooter und evtl. noch Kamera-Equipment unterwegs ist! Den 2. TG auf dem Rückweg Richtung Basis an einem 30m Holzfrachter lasse ich aus, mir ist kalt und nach der Tyrifjord glaube ich nicht bei diesem kleinen Wrack auf 20m etwas zu verpassen. Die anderen vier tauchen ein weiteres Mal, geplant sind 60 min aber nach 50 min sind alle wieder oben. Das Wrack ist relativ klein, aber schön bewachsen, wenn man den Erzählungen glauben darf. Die Holzladung ist natürlich vergammelt, aber der Sandgrund, auf dem das Wrack liegt, ist wohl sehr interessant mit viel Fisch und sehr guter Sicht. Bei mir macht sich die Kälte bemerkbar, man verliert enorm viel Wärme beim Anziehen draußen an Deck, vor allem bei starkem Wind. Ich beobachte die Crew und den Captain beim Einsammeln der Taucher, alles reibungslos, der Captain hat einen Monitor im Cockpit, der mit von einer Kamera auf dem Taucherdeck mit Bildern gefüttert wird. Ein eingespieltes Team. Einer der zwei Crewmitglieder gibt über Funk durch was die Taucher machen, wer fertig ist zum Sprung ins Wasser, wer wie weit vom Boot entfernt ist usw. Zurück in der Basis wird gespült und gleich der Wagen gepackt, das wars, morgen um 9.00 Uhr nach dem Frühstück geht es Richtung Fähre ab Bergen. Der Abend endet dann in der Bar200, dem Basiseigenen Clubraum mit Theke, Musik und Taucher-Andenken an den Wänden. Sehr cool und gemütlich. Um 23 Uhr und um 9,50€ ! ärmer für ein Bier (0,6l) reicht es mir dann aber auch, ab in die Koje.

Tag 6: Frühstück und dann Abfahrt, ca. 2,5 Std. sollte man einplanen, die Fähre verpassen wäre doof! Am Ende sind wir rechtzeitig am Fährterminal und haben noch Zeit für einen Spaziergang durch die hysterische Altstadt und die Waterfront von Bergen. Um 12.30 Uhr checken wir ein und eine Stunde später legen wir ab Richtung Hirtshals, wo wir am nächsten Morgen um 08.00 Uhr anlegen werden. Frühstück um 6.30 Uhr, mal sehen ob ich das schaffe nach unserem letzten Abend, der erfahrungsgemäß länger dauern könnte! Es war ein absolut geiler aber auch anspruchsvoller Trip, ich fürchte ich habe mich in Norwegen und seine Wracks verliebt!

geschrieben von Daniel

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